17.01.2020 Audi investiert rund 100 Millionen Euro in Ladeinfrastruktur an eigenen Standorten

Audi errichtet mehr als 4.500 Ladepunkte für batteriebetriebene Fahrzeuge – und leistet so einen Beitrag zur Energiewende im Individualverkehr. „Eine derart umfangreiche Ladeinfrastruktur aufzubauen ist eine vollkommen neue Herausforderung”, umschreibt Maximilian Huber seine Aufgabe. Der Projektleiter Standortladen ist nicht nur Bauherr der Ladepunkte, sondern auch Energiemanager und Softwareanbieter für die umfassende Ladelösung an den Standorten des Automobilherstellers. Allein im Stammwerk Ingolstadt werden im finalen Ausbau 3.500 Ladepunkte zur Verfügung stehen. In Neckarsulm werden es 1.000 sein, in Brüssel und Győr knapp 100. Ebenso entsteht im mexikanischen Werk in San José Chiapa eine Ladeinfrastruktur. Dazu kommen heute schon umfangreiche Ladekapazitäten an den Trainingszentren am Münchener Flughafen. Für das Gesamtprojekt stehen insgesamt bis zu 100 Millionen Euro zur Verfügung.

Ein Ladekonzept in dieser Größenordnung ist in Deutschland bisher einzigartig – und verlangt eine akribische Vorbereitung sowie ein weitgehend eigenständiges Energiemanagement. Ein eigenes Projektteam hat deshalb bereits seit Mitte 2017 konzeptionell die Umsetzung vorbereitet und aufgebaut. Bereits ein Jahr früher fiel die Grundsatzentscheidung, zehn Prozent aller Parkplätze zu elektrifizieren. „Solche Vorläufe sind notwendig, weil allein Planung und Ausbau der Energieversorgung in dieser Größenordnung mehrere Jahre dauern kann”, so Huber. Dabei ist die Aufrüstung im laufenden Produktionsbetrieb der Standort eine besondere Herausforderung.

Das Projektteam verantwortet die gesamte Strategie, Invest- und Konzeptplanung und steuert Aufbau sowie Betrieb von Ladeinfrastruktur sowie die Verrechnung von Ladevorgängen an den Audi Standorten. Dabei werden die Ladepunkte bedarfsgerecht für Mitarbeiter und andere Parkende erweitert, die Ladeinfrastruktur dementsprechend ausgelegt, Betriebsregeln erstellt sowie Hotline und Support bereitgestellt. Wichtig ist auch die eichrechtskonforme Erfassung und Abrechnung der Ladevorgänge.

An den Standorten Brüssel, Ingolstadt und Neckarsulm steht bereits eine Ladeinfrastruktur mit einer Anschlussleistung von insgesamt 21 Megawatt zur Verfügung. Das entspricht dem Stromverbrauch einer Kleinstadt mit 14.000 Einwohnern. Darunter sind 600 Ladepunkte mit einer Leistung von bis zu 22 Kilowatt (kW) und 60 Gleichstrom-Ladepunkte mit einer Leistung zwischen 50 und bis zu 350 kW. Bis Mitte 2022 werden es allein an den Werksstandorten 4.500 Ladepunkte mit je bis zu 22 kW Leistung und ca. 50 weitere mit je bis zu 350 kW sein. Die gesamte Anschlussleistung wird bereits ab diesem Jahr durch ein dynamisches und intelligentes Lastmanagement standortübergreifend gesteuert, so dass Ausbau der Stromanbindung nicht erforderlich ist.

Dazu kommt die Ausstattung der drei Standorte des Audi Training Centers am Flughafen München. Dort ist der größte Einzel-Ladepark von Audi mit einer Anschlussleistung von 2,1 Megawatt am Netz. In Verbindung mit dem Neubau des ATC IV wird hier zudem in Kombination mit einem Batteriepufferspeicher der erzeugte Solarstrom für Ladevorgänge verwendet. „Es geht aber nicht nur um die reine Energieversorgung”, so Huber. Das Projektteam hat auch eine eigene Navigations-Karte auf Basis von Google-Maps auf den Weg gebracht, mit der Mitarbeiter in Echtzeit sehen, wo Ladesäulen frei sind. Eine weitere wichtige Dienstleistung ist die Abrechnung über Online-Systeme sowie die Integration in ein internes Verrechnungssystem.

Mittelfristig ist in Prüfung, das aufgebaute Know-How anderen Unternehmen mit Ausbaubedarf von Ladeinfrastruktur zur Verfügung zu stellen – ein nächster Schritt vom reinen Autohersteller zum Mobilitätsdienstleister. Audi hat sich zum Ziel gesetzt, führender CO2-neutraler Premium-Anbieter zu werden. Bis spätestens 2050 soll das gesamte Unternehmen so bilanziell CO2-neutral arbeiten.