Martin Fischer
Softwareentwicklung

Klonblog on Tour: Der erste Elektro-Audi im Wüsten-Test

Der Audi e-tron

Audi e-tron Abu Dhabi
Audi e-tron Abu Dhabi
von Dipl.-Inform. Martin Fischer am 23.12.2018

Wir wurden von Audi in die fünftausend Kilometer entfernten Vereinigen Arabischen Emirate geschickt. Hier sollten wir den Audi e-tron kennenlernen, das erste vollelektrische Audi-Modell. Die Modellbezeichnung „e-tron“ ist vielleicht etwas verwirrend. Es gibt schon einen A3 e-tron und auch einen Q7 e-tron. Später folgten dann noch der e-tron Sportback und der e-tron GT, den wir euch vor Kurzem in diesem Artikel vorgestellt haben. Das sind aber „nur“ Hybrid-Versionen mit Verbrennungsmotor. Der Audi e-tron jedoch ist ein vollelektrischer SUV.

Ausgangspunkt der Reise war Masdar City, ein Stadtbauprojekt, welches im Jahre 2005 begonnen wurde. Ziel dieses Projektes ist eine Öko-Stadt, die komplett mit erneuerbaren Energien versorgt wird und bei Fertigstellung Platz für bis zu 50.000 Menschen bieten soll. In Abu Dhabi sind im Sommer Spitzen-Temperaturen um die 50 Grad möglich. Bei diesen Temperaturen kann man weder arbeiten noch Fußball spielen. Um die Stadt etwas runterzukühlen, wurde ein ausgeklügeltes System entwickelt, welches mit Hilfe von Thermik einen Luftstrom durch die gesamte Stadt erzeugt. Man hätte auch einfach Klimalagen mit Solarstrom betreiben können, den es hier Unmengen gibt. Aber so kann der Strom für andere Aufgaben verwendet werde, zum Beispiel, um Elektro-Autos aufzuladen. Masdar City ist damit der optimale Ort, um die neue rein elektrisch angetriebene Modellreihe von Audi vorzustellen.

Mitten im Herzen der noch nicht ganz fertiggestellten Stadt standen sie, die ersten e-trons! Mit der Sonne im Herzen, also mit satten 95 kWh Solarstrom im Akku, sollte es 150 Kilometer weit zum Berg Jebel Hafeet gehen. Das ist natürlich keine Herausforderungen für den e-tron, der über 400 Kilometer Reichweite schaffen soll. Von außen erinnert er etwas an den Q8, und mit 4,90 Metern ist er auch fast so groß, liegt also zwischen dem Q5 und Q7/Q8. Sofort ins Auge stechen die Außenspiegel, die gar keine sind, sondern nur Halterungen für Kameras. Eine für den virtuellen Rückspiel und eine für den Surround-View. Am Heck prangt der Schriftzug „55 quattro“. Wer weiß, vielleicht wird es irgendwann noch weitere Leistungsstufen geben. Aktuell ist aber erstmal nichts geplant.

Von innen sieht der Neue auf den ersten Blick aus wie seine Brüder mit Verbrennungsmotor. Wobei das virtuelle Cockpit freisteht, was mir deutlich besser gefällt als im A1 oder Q8. Der Hingucker sind jedoch die OLED–Displays der Außenspiegel, die schon beim Öffnen der Tür aktiviert werden und ein super scharfes und kontrastreiches Bild (HD-Auflösung) der Umgebung zeigen. Beim Fahren auf den ersten Metern stellten sich die fehlenden Außenspiegel als die größte Herausforderung dar. Das Display ist zwar ganz oben in der Tür verbaut, aber das geschulte Autofahrer-Auge sucht den Spiegel doch immer über der Kante, und da war nichts als der Kamerastummel.

Über eine Schnellstraße ging es dann mit 140 bzw. 160 km/h Richtung Jebel Hafeet. Hier zeigte der e-tron seine Qualität als Cruiser. Dass man vom Elektromotor nichts hört, war zu erwarten. Aber durch den quasi nicht vorhandenen Außenspiegel sinkt das Geräuschlevel noch mal deutlich. Der e-tron ist nicht nur super leise, sondern vermutlich der leiseste SUV überhaupt. Auch der cw-Wert von 0,26 macht ihn zum Stromlinienförmigsten seiner Klasse, was man aufgrund des eckigen Designs nicht denken würde. Allein die Spiegelkonstruktion verringert den cw-Wert um 0,1. Im Grill sind zusätzlich noch Klappen verbaut, die über das Kühlsystem gesteuert werden und so den Luftstrom durch das Auto regulieren. Sind die Klappen offen, fließt mehr Luft durch das Auto, der Luftwiderstand steigt und Motor und Akku werden gekühlt. Masdar City im Kleinen.

Angekommen am Berg bekamen wir eine Ansage von einem Audi-Mitarbeiter, die mir ganz besonders gefallen hat. Bergauf sollten wir alles aus dem e-tron rauskitzeln, was geht! Bergab war das Ziel, über Rekuperation das Maximum an Energie wieder reinzuholen. Mein junger Kollege von „Audikult“ ließ auch keine Zweifel daran, dass er diese Ansage verstanden hat.

Mit bis zu 150 km/h und quietschenden Reifen katapultierten uns die beiden E-Motoren (408 PS / 664 nm im Boost-Modus) hinauf zu Gipfel auf etwa 1.000 Höhen-Meter. Dabei kam wir den Leitplanken der nagelneuen asphaltieren Strecke recht nahe, sodass man Einschläge der AMGs der jugendlichen Abu Dhabis gut erkennen konnten. Sichtlich geflashed und mit weichen Knien stieg ich aus dem e-tron und wurde gleich von Sophia Calate interviewet, wie wir die Straßenlage finden. Kurz zusammengefasst: Der e-tron erinnert mehr an den R8 als an einen SUV. Durch den sehr tiefen Schwerpunkt und das sehr gut abgestimmt Luftfahrwerk liegt der e-tron satt auf der Straße. Man fährt wie auf Schienen um die Kurven, einzig begrenzt durch die Haftung der Reifen.

Wir fuhren die circa 13 Kilometer lange Strecke insgesamt dreimal hoch und runter, sodass wir beim letzten Mal nur noch etwa 23 Kilometer Rest-Reichweite hatten. Bis zum nächsten Wegpunkt waren es aber noch mal 20 Kilometer. Unser Begleiter von Audi wurde daher etwas nervös. Man kann einen Elektro-Wagen nicht einfach so unterwegs aufladen. Die Powerbank vom Handy bringt nicht viel und mit einem Kanister zur nächsten Tankstelle laufen fällt auch aus. Aber wir standen oben auf dem Berg. Diesen nicht ganz unwichtigen Faktor hatte die Reichweitenberechnung nicht berücksichtigt. Mein Kollege zeigte dann, dass er auch sehr sensibel mit seinem „Gas“-Fuß umgehen kann. Dabei unterstützte ihn noch ein speziell für uns installiertes Interface, welches auf einem i-Pad die Rekuperation und das Eingreifen der Scheibenbremsen visualisierte. Der e-tron verfügt über eine regelbare elektronische Motorbremse, die über Schaltpaddel am Lenkrad gesteuert wird. Man kann in drei Stufen zwischen Segeln und maximaler Rekuperation wählen. Damit macht Bremsen endlich wieder Spaß! Dieses Feature wird dadurch ermöglicht, dass in den Elektromotoren keine Dauermagneten verbaut wurden. Sie bestehen aus magnetisch leitfähigen Elektroblechen. Und wer sich fragt, ob Elektro-Autos ein Getriebe haben – ja, sie haben eins, aber das hat nur einen Gang und keine Kupplung, sodass der Motor sich immer mitdreht, wenn sich das Auto bewegt. Da die beiden Elektromotoren mit bis zu 13.300 U/min drehen, das ist fast so viel wie eine BMW HP4 Race, muss die Drehzahl in zwei Schritten auf etwa 1.000 U/min am Rad runtergesetzt werden.

Audi e-tron in Abu Dabi
Audi e-tron in Abu Dabi

Unsere Rechnung ging auf. Am Wegpunkt angekommen standen immer noch über 20 Kilometer Reichweite auf dem Tacho. Eine gute Gelegenheit, die Schnelllade-Fähigkeit unseres Autos zu testen. Über eine 150-kW-Ladestation soll der e-tron in etwa 20 Minuten wieder auf 80 % geladen werden können. In dem Fall hätte es auch gerne mehr sein können, 20 Minuten Mittagspause sind mir eigentlich zu wenig. Der e-tron verfügt über zwei Ladeanschlüsse, einen rechts und einen links. Damit kann man den Stecker immer an der Ladesäule zugewandten Seite einstecken, durchaus praktisch! Zieht man das Kabel nach dem Ladevorgang aus der Dose, schließt sich die Abdeckung voll elektrisch.

Zukunft mitgestalten. Der Audi e-tron. Tauchen Sie mit dem Audi e-tron in die spannende Welt der Elektromobilität ein und gestalten Sie die Zukunft mit. Unser erster vollelektrischer SUV ist Ihr sportlicher, alltagstauglicher und sicherer Begleiter für eine neue Zeit.

Audi hatte nun noch einen Leckerbissen für uns vorbereitet: ein Offroad-Parcour im Desert Learning Center des Zoos von Abu Dhabi. Hier standen eine Reihe e-trons in Tarnbemalung bereit. Mit diesen ging es dann quer durch die Wüste. Hier zeigte sich einmal mehr, dass der Elektro-Antrieb im Gelände einige gravieren Vorteile hat. Durch den extrem tiefen Schwerpunk sinkt der Kipp-Winkel deutlich. Man kann also schräger fahren, ohne umzukippen. Bergauf oder bergab sorgt die optimale Regelbarkeit des Elektroantriebs ohne Kupplung, Getriebe und Einspritzung für optimale Traktion. Außerdem kann man sich damit viel besser an Tiere heranschleichen. Das optimale Safari-Auto! Bei einem Zwischenstopp mitten in der Prärie bei circa 30 Grad und praller Sonne bemerkte ich dann noch etwas Ungewöhnliches. Von außen klang der e-tron plötzlich wie eine ganz normales Auto, der Lüfter des Kühlsystems lief auf Hochtouren. Mit dem Kühlsystem werden die Motoren und der Akku gekühlt oder auch beheizt, um immer die optimale Leistung abzugeben. In dem 40 Meter langen Kühlkreislauf rotieren 22 Liter Wasser. Die für Elektro-Autos bekannten Probleme, dass diese ihre Spitzenleistung oft nur wenige Male erreichen, sollten damit nicht mehr auftreten. Außerdem soll dadurch die Reichweite um bis zu 10 % gesteigert werden.

Der Tag neigte sich langsam dem Ende zu. Ein traumhafter Sonnenuntergang und Stille im e-tron – entspannter konnten die 160 Kilometer bis zum Ziel, den Etihad Towers in Abu Dhabi, nicht sein. Am Ziel hatten wir dann noch 100 Kilometer Reichweite übrig. Eigentlich schade drum…

Der e-tron ist zwar der erste rein elektrisch betriebene Audi. Aber er ist, typisch für Audi, schon bis ins kleinste Detail durchoptimiert. Aber nicht nur die Technik hat Audi im Blick. Jeder e-tron-Fahrer erhält eine e-tron-Card, mit der er an über 70.000 Ladestation europaweit „tanken“ kann. Weiterhin bietet der e-tron als erster „in Car“-Käufe oder „Ausstattung on demand“ an. Damit kann man bestimmte Features nach dem Kauf einfach aktivieren, zum Beispiel Matrix-Scheinwerfer oder Navigationskarten. Der e-tron ist ab Anfang 2019 für einen Grundpreis von 80.000 Euro zu haben.

Der Klonblog bedankt sich für dieses außergewöhnliche Event und wünscht viel Erfolg in der elektrifizierten Zukunft.